Irrtum Emotionen - Die Wurzeln des Erfolges

Aus der Serie: Irrtümer zum Gehirn

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Lange Jahrzehnte versuchten Gehirnwissenschaftler, Emotionen zu ignorieren. Sie galten als »Bösewichter« die unsere rationalen Denkvorgänge sabotieren. Uns blockieren mit Empfindungen wie Argwohn, Misstrauen oder gar Wut bis hin zur Raserei. Aber auch träumen lassen mit Leidenschaften wie Wohlwollen, Sympathie, Zuneigung bis hin zur alles ergreifenden Liebe.

Heute hören wir von Wissenschaftlern schon Begriffe wie Empathie, emotionale Intelligenz und mehr. Sie akzeptieren mittlerweile Emotionen als Bestandteile des Gehirns und des Lebens, sprechen aber immer noch von kognitiver (rationaler) Intelligenz und meinen damit die Intelligenz jenseits der Gefühlswelt. – Ja, sie zwingen uns sogar, Lebensentwürfe allein nach diesen Bevorzugungen anzunehmen, denn Schulnoten sind den Ergebnissen von Intelligentests sehr ähnlich.

Doch erfahren wir das Leben nicht ganz anders? Begleiten uns Emotionen nicht auf Schritt und Tritt? – Bereits eine »trockene« Mathematikaufgabe wirft uns in emotionale Wechselbäder. Beginnend mit Ärger über die Zumutung, sich überhaupt damit befassen zu müssen, durchsetzt aber mit Hoffnungen auf ein allseits akzeptables Resultat. Und am Ende sogar mit Freude über das passende Ergebnis, oft auch gemischt mit Zweifeln, ob die verwendete Formel wirklich hier gültig ist.

Qelle: science ORF.at
Qelle: science ORF.at

Zum Link auf dem Bild: Bislang herrschte in wissenschaftlichen Kreisen die Auffassung vor, dass Emotionen angeboren sind. Die Untersuchung zum Link jedoch zeigt, dass sich Emotionen sehr wohl mit den Erfahrungen anpassen, so wie es auch Gedanken-Oszillatoren bestätigen. – Mit dem Link finden Sie auch die Erläuterung zum Bild.

Nein – Emotionen sind keine Störenfriede, sondern die Triebfedern unsers Denkens und Handelns. Sie verkörpern die Wurzeln sowie als auch die Früchte des Erfolges.

Das Oszillatorprinzip der Gehirnfunktionen spiegelt genau diese Erfahrungen. Es zeigt, dass kein Gedanke ohne Emotionen das Licht des Bewusstseins erblicken kann. Wer Intelligenz als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren nur kognitiv (rational) betrachtet, verfälscht die Wirklichkeit.

Der nachfolgende Textauszug aus dem Buch behandelt allein die Erwartungsemotion als Voraussetzung für die Entwicklung des Menschen. Ihr ist es zu verdanken, dass die Menschheit jene 4 Millionen Jahre in der nordafrikanischen Savanne trotz aller Katastrophen überlebt hat. Denn am Ende der Savannenzeit, vor etwa 100 000 Jahren, waren es nur noch eine »Handvoll«. Etwa 1000 bis 10 000 Menschen, die diese Welt anschließend für sich eroberten.

Ergänzender Original-Textauszug aus dem Buch.

Kapitel:           1      Keine Gehirnkunde

Titel:               1.4  Die königliche Emotion

Thema:           Hoffnung und Verzweiflung

……. Solche Erwartungsemotionen waren es, die unsere Vorfahren in der nordafrikanischen Savanne überleben ließen (E9 Geschenk aus der Savanne S.33). Nicht nur Raubtiere und Krankheiten, sondern vor allem schnelle Klimawechsel führten zu unglaublichen Entbehrungen. Ganze Volksstämme müssen dahingestorben sein. Nur Menschen, die tagaus, tagein ihre Gehirne mit den schrecklichen Erwartungen marterten, konnten intuitiv Auswege finden und damit ihrer Familie oder gar dem ganzen Volksstamm neue Überlebenschancen erschließen. Diese 4 Millionen Jahre in der Savanne sorgten dafür, dass sich unsere Gehirne nach den Evolutionsgesetzen besonders schnell anpassten (E5 Erste Gehirne S.26). – Schnell, weil viele Menschen früher sterben mussten, um allen erfolgreicheren mehr Platz zum Leben zu schenken.

Unser gesamtes Emotionssystem bekamen wir eins zu eins von den Savannenmenschen geschenkt, doch blickt es auf eine Bewährungszeit von mehreren Hundert Millionen Jahren zurück. Emotionen führten die Menschheit einerseits zur Weltherrschaft, aber sie können uns auch ein ganzes Leben lang foltern (E12 Mit anderen Mitteln S.40).

Es mutet an wie jene biblische Strafe für den unerlaubten Verzehr des Apfels vom Baum der Erkenntnis. Die Strafe besteht aus der menschlichen Fähigkeit, die Zukunft zu bewerten. – Manchmal ertappe ich mich dabei, Rocky und Benny, meine beiden Retriever, zu beneiden – brauchen sie doch nicht in ihre Zukunft zu schauen und können ganz unbeschwert jetzt und hier glücklich sein.

Aber auch Hunde besitzen die Erwartungsemotion. Freuen sie sich doch schon beim Griff nach den »Spaziergeh-Schuhen« oft intensiv sichtbar auf das kommende Vergnügen. Doch ihre Erwartung mischt sich nicht mit Erkenntnissen über die weitere Zukunft.

Doch genug Schwarzmalerei. – Natürlich schenken Erwartungsemotionen auch Freude. Denken wir nur an den Wunsch, ein neues Auto zu fahren. Wie wir mit glühenden Augen jene technikstarrenden, stromlinienförmigen fahrbaren Untersätze zunächst auf der Straße, später auch in den Schaufenstern der Autohäuser verschlangen. Bereits zur ersten Probefahrt wähnten wir uns im Cockpit als stolzer Besitzer, stellten uns jene bewundernden Blicke der Freunde vor und waren augenblicklich schon grenzenlos glücklich. Nach meinem Gefühl viel glücklicher als bei der späteren Vorführung des tatsächlichen Eigentums.

Glücksapostel hämmern uns fast täglich aus allen Medien heraus ein: „Genießt den Augenblick, nur das Hier und das Jetzt ist Erfüllung.“ – Kann das wirklich stimmen? Erleben wir das Leben nicht ganz anders? Denken wir nur an Weihnachten zur Kinderzeit. Haben wir nicht Tag für Tag am Adventskalender die Türchen bis zum Heiligen Abend gezählt? Tage, die nie vergehen wollten, aber ausgefüllt waren mit glücklicher Erwartung. – Doch wie schnell verglühte dann der Genuss auch vieler wertvoller Geschenke, genauso wie der ganze Heilige Abend. ……

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