Streit um Schulformen - Archiv

Hier haben wir es mit einem seit Jahrzehnten schwelenden Glaubenskrieg zu tun, der schon viele Karriereknospen verwelken ließ. Links orientierte Parteien, wie SPD, Grüne und Linke fordern vehement die Einheitsschule, während CDU/CSU und etwas verhaltener auch die FDP, leistungsorientierte Lernverbände bevorzugen. Der Link auf dem Bild führt zu einem von vielen »Kriegsschauplätzen«.

Besonders schädlich wirkt sich hier auch die föderativ gestaltete Schullandschaft in Deutschland aus. Die einzelnen Bundesländer beharren auf der im Grundgesetz festgeschriebenen Schulhoheit. Jede Landesregierung baut je nach Parteidominanz die Schulen in die gewünschte Richtung um. SPD dominierte Regierungen also mehr zu Gesamtschulen hin und CDU dominierte Regierungen mehr zu leistungsorientierten Realschulen und Gymnasien hin.

Hinzu kommt, dass mit Ausnahme von Bayern bisher die Parteidominanz öfter wechselte und zwar bisher fast immer im Gegensatz zur Dominanz der Bundesregierung. Diese Dynamik taucht Lehrer, Schüler und Schulbehörden in katastrophale Wechselbäder.

Als Argumente für die Einheitsschule sprechen die links gerichteten Regierungen von mehr Chancengleichheit für jeden Schüler sowie eingeschränkte Abhängigkeit der Schulerfolge von sozialer Herkunft. Hört sich ganz so an, wie der Kampf gegen die »Erfolgs-Sabotage im Gehirn«.

Dagegen sprechen die mehr bürgerlich gerichteten Regierungen von höherer Lerneffizienz in leistungsorientierten Klassen. Sie verweisen auf bessere Pisaergebnisse. Der Wissensvorsprung soll bis zum Abitur etwa zwei Jahre betragen. Damit rechtfertigen sie das sogenannte Turbo-Abitur bereits nach der 12. Klasse.

Auch für leistungsschwache Schüler sollen Fördervorteile durch die Gesamtschule nicht nachzuweisen sein. Vielmehr sind die Jugendlichen hohen psychischen Belastungen durch den dauernden Leistungsvergleich mit besser lernenden Klassenkameraden ausgesetzt. Haupt- und Realschulen erfüllen danach eine Selbstwert schützende Funktion.

Operation gelungen, Patient tot. Fast so, wie in der Spiegel-Führungsdebatte geht es dem Schulsystem in Deutschland.

Ohne diese Argumente jetzt zu werten, behaupte ich aus den Erkenntnissen des Blogs »Erfolgsfördernde Lerninhalte« heraus, dass alle Operationsgelüste am Schulsystem einen bereits sterbenden Patienten zu verstümmeln trachten. Kein Schulsystem wird überleben, wenn nicht alle Lerninhalte drastisch auf Erkenntnisse umgestellt werden, um die Schulkinder von unnötigem Lernballast zu befreien. Erkenntnisse halten meist das ganze Leben, sind immer verfügbar und generieren auf der Stelle neues Wissen.

Außerdem trainiert ihre Entstehung sowie ihre Anwendung das Gehirn wie kein anderes Medium. Damit schaffen wir die Voraussetzung, dass unsere Denkzentren bis ins hohe Alter hinein den neuesten Wissensstand beherrschen. Nur dies schafft wirkliche Chancengerechtigkeit.

Die letzten beiden Absätze enthalten vorerst Visionen. Visionen aber, die mit zweifelsfreien Erkenntnissen über die soziale Dynamik des Gehirns hinterlegt sind. Sie tragen den Keim einer Denkweise, mit der unser schwindender Technologievorsprung zu retten und auszubauen wäre. Denn die bisherigen und geplanten Maßnahmen würden unsere Gehirne immer tiefer in eine ausweglose Orientierungslosigkeit stürzen, deren finstere Wolken bereits sichtbar sind und vielen Menschen schon heute die Erfolgssonne stehlen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie im Blog »Erfolgsfördernde Lerninhalte« und im Beitrag »Irrtum Wissen«. Und natürlich im Buch mit allen sozialen und gehirndynamischen Hintergründen.